Worte

Geschichten über das Essen und Trinken bestehen immer aus Worten. Diese Worte können unserer Speise schmeicheln, sie können für sie werben oder sie simpel erläutern. Sie können aber auch den Wortbenutzer im Glanz einer Delikatesse erstrahlen lassen. „Wir hatten heute zu Mittag ein Pot-au-feu und danach gab es ein Mousse au Chocolat“. Mal abgesehen davon, das man nach einem Gemüse-Rindfleischeintopf auch mal Schoko-Schaum als Nachspeise essen kann, befördert mich meine Wortwahl in eine Reihe mit den 5-Sterne-Köchen. Motto: Wie es schmeckt ist egal, Hauptsache es hat einen gewaltigen Namen und ist teuer.

In Burger, Hot Dogs, Chicken kann man schon mal reinbeißen, besonders, wenn das Dressing stimmt. Zu den Worten „schnell“, „billig“, „nahrhaft“ kamen noch die lautstarken Worte: Great !! Big!! Doppelt Trallala !! hinzu und machten diese simpel gestrickten Speisen zu einer Esskultur, die eigentlich nur eine glorifizierte Imbissbudenwelt ist. Aber riesige Salat-Buletten-Brötchen auf noch größeren Plakatwänden machen es Eltern einfach, die Kindergeburtstagsbande über den Nachmittag bei „McDressing“ zu entsorgen und auch noch glücklich zu lächeln, wenn der Nachwuchs erklärt, es sei geil gewesen und er hätte zwischen den Pommes in der Tüte sogar eine kleine Quietschente gefunden..

Gelernte DDR-Bürger wissen vielleicht noch was „ETW“ sind. In der Betriebskantine konnte schon mal auf dem Speiseplan stehen: „Gulasch, ETW, Salat“ ETW stand für Eierteigwaren. Das war clever. Makkaroni, Spätzle, Nudeln oder Spaghetti: alles waren ETW. Merke: Wenn du nicht weißt, ob der Lieferant wirklich liefern kann oder der Vorrat reicht, wähle die richtigen Worte. Und schon ist der Kantinenchef fein raus.

„Beilage“ ist auch so ein herrliches Wort. Auch die Bezeichnung „saisontypische Kräuter“ und die Speisekarte des Restaurant muss selten neu gedruckt werden. Interessant ist sind auch die feinen Unterschiede. Es kann schon mal vorkommen, das der Küchenchef eines Restaurants während der Absprache einer Familienfeier fragt, welche Sättigungsbeilage man wünsche. Das Wort „Sättigungsbeilage“ wird man auch auf fast keiner Speisekarte finden, höchstens mal die Bezeichnung „Beilage“. Irgendwie passt nämlich das Wort „Sättigung“ nicht zu einer schicken Karte eines noch schickeren Wirtshauses. Mal ehrlich, wer hat jemanden schon mal in ein Restaurant eingeladen, um sich mit ihm gemeinsam zu sättigen? Man möchte etwas „zu sich nehmen“, „plaudern“, oder, wenn es hoch kommt, ein „bissel was Essen“. Und dann der Etikettensalto am nächsten Tag auf Arbeit:“ Och, ich war gestern beim Griechen, Teller groß wie Wagenräder, ich konnte mich hinterher nicht mehr bewegen!“ Und mildtätig überdeckt der Knoblauchduft die Ouzo-Fahne.

Aber Essens-Worte können auch anders sein. Wenn Omma „Kneedl“ machte oder „Dillsooß“, wenn es „Schkuwanken“ gab oder „Tootsch“ hieß das: Ich mache Euch was Leckeres, das satt macht. Und es klang nach Liebe. Liebe zu der Speise, die sie zubereitete und zu den Menschen für die sie kochte.

Und nun zum Schluss das Wort zum Sonntag: Gänsebraten.

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